Tobias Bonhoeffer wird Berater der Chan Zuckerberg Initiative

Max-Planck-Direktor soll helfen, grundlegende neue Forschungsansätze für ein gesundes menschliches Leben zu identifizieren

21. September 2016

Der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und seine Frau Priscilla Chan gaben im Dezember 2015 bekannt, ihre Facebook-Anteile im Wert von zirka 45 Milliarden Dollar in die Verbesserung des menschlichen Lebens und Chancengleichheit zu investieren. Nach dem Fokus auf Bildung stellte die Initiative nun ihren zweiten Schwerpunkt vor: Die Förderung der Grundlagenforschung mit dem Ziel, Krankheiten bis zum Ende des Jahrhunderts heilen, verhindern oder behandeln zu können. Diese neue Initiative, unter der Leitung der Neurobiologin Cori Bargmann, wurde nun in San Francisco bekannt gegeben. Neben der Präsidentin stellten die beiden Gründer auch die Wissenschaftler vor, die sie beim Aufbau ihrer Initiative in Zukunft unterstützen sollen. Unter den ansonsten amerikanischen Koryphäen befindet sich auch ein Deutscher: Tobias Bonhoeffer, Direktor am Max-Planck-Institut für Neurobiologie in Martinsried bei München.
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Tobias Bonhoeffer wird Berater von Chan Zuckerberg Science

Als Maxima Chan Zuckerberg geboren wurde, gründeten ihre Eltern die Chan Zuckerberg Initiative. Ihre Tochter solle in einer Welt aufwachsen, in der es möglich ist Krankheiten zu heilen, Lernen zu personalisieren und Menschen weltweit in Verbindung zu bringen. Nun gaben Chan und Zuckerberg bei einer Pressekonferenz auf dem Mission Bay Campus der University of California in San Francisco mit "Chan Zuckerberg Science" den zweiten Grundpfeiler der Initiative bekannt.

In den vergangenen Monaten hatten sich die Kinderärztin Chan und Facebook-Gründer Zuckerberg immer wieder mit Wissenschaftlern, Ingenieuren und anderen Experten ausgetauscht. Dies machte ihnen klar, wie wichtig die Investition in die Grundlagenforschung für die dringend benötigten Erkenntnisse zum Bekämpfen von Krankheiten ist. So entschlossen sie sich, "Chan Zuckerberg Science" ins Leben zu rufen. Die Arbeit der Initiative soll von drei Kernelementen geprägt sein: Der Kooperation von Wissenschaftlern und Ingenieuren, der Entwicklung neuer Methoden und Technologien und dem Vorantreiben der allgemeinen Bereitschaft, für Wissenschaften zu spenden.

Der einzige Europäer im wissenschaftlichen Beratungsgremium der Initiative ist der Martinsrieder Max-Planck-Direktor Tobias Bonhoeffer. „Es ist eine fantastische Möglichkeit etwas zu bewegen, neue Wege zu gehen und effektiv, mutig und unkonventionell biomedizinische Forschung zu fördern“, war seine erste Reaktion. „Meine Ernennung zum Berater hat mich daher außerordentlich gefreut und geehrt“, so Bonhoeffer, der mit Chan und Zuckerberg seit ihrem Berlin Besuch Anfang des Jahres in Kontakt stand. Große wissenschaftspolitische Entscheidungen zu treffen, ist für den 56-jährigen Neurobiologen Tobias Bonhoeffer nichts Neues. Als Vorsitzender der biologisch-medizinischen Sektion der Max-Planck-Gesellschaft (2008 – 2011) und als Mitglied im Aufsichtsrat des Wellcome Trust, einer der weltweit größten Wohltätigkeitsorganisationen, wissen viele Entscheidungsträger seinen Rat und seine Weitsicht zu schätzen.

Als Präsidentin des Wissenschaftsbereichs der Chan Zuckerberg Initiative wurde Cori Bargmann, Professorin an der Rockefeller Universität und am Howard Hughes Medical Institute, Cori Bargmann berufen. Die weltweit anerkannte Wissenschaftlerin bewies ihr vorausschauendes Denken unter anderem bereits als Ko-Vorsitzende der BRAIN-Initiative des amerikanischen Präsidenten Barack Obama. Für ihre neue Aufgabe wird ihr ein siebenköpfiges Beratungsgremium zur Seite gestellt. Die Liste dazu liest sich wie ein "who-is-who" forschungspolitischer Visionäre: David Haussler (Professor am Howard Hughes Medical Institute), Art Levinson (Vorsitzender des Aufsichtsrats von Apple), Shirley Tilghman (ehemalige Präsidentin der Princeton University), Bob Tjian (ehemaliger Präsident des Howard Hughes Medical Institute), Harold Varmus (Nobelpreisträger und ehemaliger Direktor der amerikanischen Gesundheitsbehörde, NIH), Huda Zoghbi (Professorin am Baylor College of Medicine) – und Tobias Bonhoeffer (Direktor am Max-Planck-Institut für Neurobiologie).

Im Laufe der nächsten Jahre und Jahrzehnte werden laut einer Erklärung der Initiative mehrere Milliarden Dollar in die wissenschaftliche Forschung fließen. Dabei sind sich die Gründer bewusst, dass es viel Zeit brauchen wird, um neue Erkenntnisse und Technologien zu schaffen und noch viel länger, bis ein wirklicher Einfluss auf bestehende Krankheiten sichtbar wird. Als erste Investition in die Grundlagenforschung wurde nun das Chan Zuckerberg Biohub gegründet – ein unabhängiges Forschungszentrum, das in enger Partnerschaft mit den Universitäten von Stanford, San Francisco und Berkeley arbeiten wird. Geleitet wird das Chan Zuckerberg Biohub gemeinsam von Joseph DeRisi Professor für Biochemie und Biophysik an der University of California, San Francisco, und Stephen Quake, Professor für Bioengenieering und Angewandter Physik an der University of Stanford. Der Biohub soll zu einem Nexus für interdisziplinäre Forschung werden.   

Zur Person: Tobias Bonhoeffer studierte Physik an der Universität Tübingen. Seine Doktorarbeit machte er 1988 am Max-Planck-Institut (MPI) für biologische Kybernetik in Tübingen. Nach einem Forschungsaufenthalt an der Rockefeller Universität in New York und am MPI für Hirnforschung in Frankfurt leitete er ab 1993 eine unabhängige Forschungsgruppe am MPI für Psychiatrie. Seit 1998 ist Tobias Bonhoeffer Direktor am Max-Planck-Institut für Neurobiologie. Hier untersucht er mit seiner Abteilung „Synapsen – Schaltkreise – Plastizität“ was im Gehirn passiert, wenn es lernt oder vergisst.

Die Initiative: Mit der Geburt ihrer Tochter Maxima Chan Zuckerberg gaben Dr. Priscilla Chan und Mark Zuckerberg am 1. Dezember 2015 die Gründung der Chan Zuckerberg Initiative bekannt. Die sogenannte Limited Liability Company (LLC), eine US-amerikanische Kapitalgesellschaft, hat zum Ziel das menschliche Potential und die Chancengleichheit zu fördern. Dies soll durch die Finanzierung von gemeinnützigen Organisationen, Privatinvestitionen in innovative Unternehmen und die Teilnahme an strategischen Debatten erreicht werden – jeweils in der Hoffnung einen positiven Einfluss auf wichtige Gebiete auszuüben. Mögliche Gewinne aus getätigten Investitionen sollen im Sinne der Initiative neu angelegt werden.

 
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