Neuer Direktor am Institut

Prof. Dr. Winfried Denk lebt und arbeitet in Zukunft in Martinsried

21. September 2011
Vergangene Woche unterschrieb der angesehene Physiker und Neuro­biologe Winfried Denk den Vertrag zum Direktor am Max-Planck-Institut für Neurobiologie. Winfried Denk ist bekannt für seine bahn­brechenden Arbeiten zur Entwicklung neuer optischer Methoden. Bereits heute benutzen Wissenschaftler am MPI für Neurobiologie einige seiner Entwicklungen. Dieser Austausch wird nun noch intensiviert, wenn der 53jährige Wissenschaftler in seine alte Heimat zurückkehrt. Winfried Denk kommt mit einigen Mitarbeitern aus Heidelberg, wo er in den letzten 12 Jahren als Direktor am MPI für medizinische Forschung arbeitete. Am Martinsrieder Institut wird er die Abteilung Strukturelle Neurobiologie aufbauen und leiten.
Dr. Winfried Denk

Der aus München stammende Winfried Denk studierte Physik zunächst an der Ludwig Maximilians Universität und dann an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich. Für seine Doktorarbeit ging er an die Cornell University nach Ithaca, USA. Im Anschluss forschte Winfried Denk am IBM Research Lab in Rüschlikon in der Schweiz, bevor er ab 1991 eine unabhängige Arbeitsgruppe an den Bell Laboratories in Murray Hill, USA leitete. Im Jahr 1999 wurde der promovierte Physiker zum Direktor am Max-Planck-Institut für medizinische Forschung in Heidelberg berufen, wo er die Abteilung Biomedizinische Optik leitete. Seit 2002 ist Winfried Denk außerdem Honorarprofessor an der Universität Heidelberg. Nun kommt er zurück in seine alte Heimat und wird ab 1. Oktober offiziell als Direktor am Max-Planck-Institut für Neurobiologie arbeiten. Der Umzug der Abteilung wird allerdings wegen der nötigen Umbaumaßnahmen erst gegen Ende 2013 erfolgen.

Winfried Denk hat sich auf die Entwicklung neuer Mikroskopie-Methoden für die biomedizinische Forschung spezialisiert. Biologische Prozesse basieren in der Regel auf Vorgängen und Veränderungen auf dem molekularen und zellulären Level. Diese Vorgänge sind meist in vielfältiger Weise mit dem umgebenden Gewebe verknüpft. Um solche biologischen Prozesse zu verstehen, können sie daher nicht unabhängig von ihrer Umgebung betrachtet werden, sondern müssen dort untersucht werden, wo sie stattfinden. Das kann nur die optische Mikroskopie: sie ist in der Lage, solche Vorgänge auch im lebenden Gewebe hochauflösend darzustellen. Zwar sind Lichtmikroskope bereits seit dem frühen 17. Jahrhundert bekannt und fester Bestandteil der wissenschaftlichen Forschung. Die Technik ist heute jedoch alles andere als verstaubt. Vor allem die Entwicklung fluoreszierender Farbstoffe hat die Mikroskopie zu einer der wichtigsten Technologien der heutigen biologischen Forschung gemacht. Mit Hilfe dieser Farbstoffe werden einzelne Zellen, ihre Bestandteile oder bestimmte Zellvorgänge für den Betrachter durch das Mikroskop sichtbar. In Gehirngewebe, das stark streut und damit dem normalen Lichtmikroskop Probleme macht, ist dazu besonders gut das von Denk miterfundene Multiquantenmikroskop geeignet.

"Das Ziel unserer Arbeit ist es, die Möglichkeiten der modernen Mikroskopie noch weiter zu verbessern", erklärt Winfried Denk. Dass der Physiker sein Handwerk versteht, zeigt unter anderem seine Entwicklung des Dreidimensionalen-Raster-Elektronenmikroskops. Bei diesem automatisierten Prozess tastet ein Elektronenmikroskop die Oberfläche eines Gewebestücks ab; das gewonnene Bild wird gespeichert. Als nächstes schneidet das Gerät eine ultradünne Gewebescheibe ab und erfasst dann die darunter liegende Gewebeebene. Schnitt für Schnitt werden so alle Strukturen in dem vorliegenden Gewebeblock aufgenommen. Abschließend setzt ein Programm alle Bilder am Computer wieder zu der ursprünglichen dreidimensionalen Struktur zusammen, mit dem Ziel die Schaltkreise des Gehirns zu entschlüsseln. "Dieses revolutionäre Verfahren ermöglicht ganz neue Einblicke in Zusammenhänge – auch im Nervensystem – und wird daher bereits von mehreren Abteilungen und Gruppen unseres Instituts in enger Zusammenarbeit mit Winfried Denk eingesetzt", sagt Tobias Bonhoeffer, der Geschäftsführende Direktor des MPI für Neurobiologie. "Wir freuen uns sehr, dass wir Winfried nun in Zukunft als Kollegen vor Ort haben und unseren Austausch so noch weiter intensivieren können." Auch Winfried Denk freut sich, in seine Münchner Heimat zurück zu kehren: "Es lebt sich in München nicht schlecht, aber vor allem freue ich mich auf die neuen Kollegen am Institut und auf das hervorragende Forschungsumfeld in Martinsried".

Für seine Forschung erhielt Winfried Denk bereits mehrere Auszeichnungen, wie den Young Investigator Award of the Biophysical Society, den Rank Prize for Opto-Electronics und den Leibniz Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Zur Redakteursansicht