Millionenförderung für exzellente Neurobiologin

Der Europäische Forschungsrat zeichnet Ilona Grunwald Kadow mit Starting Grant aus

10. Februar 2015

Der Europäische Forschungsrat (European Research Council, kurz ERC) unterstützt mit seinen Starting Grants talentierte Wissenschaftler/innen in den ersten Jahren einer unabhängigen Karriere. Ilona Grunwald Kadow, die eine unabhängige Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut für Neurobiologie leitet, stellte einen der erfolgreichen Anträge und setzte sich so gegen tausende Mitbewerber durch. Über die nächsten fünf Jahre erhält sie rund 1,5 Millionen Euro. Mit diesem Geld möchte die Wissenschaftlerin herausfinden, wie körpereigene Zustände wie zum Beispiel Hunger oder Krankheit die Sinnesverarbeitung beeinflussen.

Ilona Grunwald Kadow erhält vom Europäischen Forschungsrat rund 1,5 Millionen Euro. Mit dem Geld möchte sie untersuchen, wie körpereigene Zustände die Sinnesverarbeitung beeinflussen.

Was beeinflusst unsere Entscheidungen? Wir alle haben bestimmte Vorlieben und Abneigungen. Einige davon sind angeboren, andere erlernt, aber alle müssen entsprechend der jeweiligen Situation abgewogen werden. Wie das Gehirn Umgebungsinformationen mit unseren Bedürfnissen abgleicht und daraus ein der Situation entsprechendes Verhalten erzeugt, das untersuchen Ilona Grunwald Kadow und ihr Team am Beispiel der Fruchtfliege Drosophila. Erst vor kurzem fanden die Wissenschaftler heraus, dass sich die Risikobereitschaft der Tiere verändert, je nachdem ob sie hungrig oder satt sind. Und nicht nur das: Das angeborene Fluchtverhalten der Fliegen auf Kohlendioxid wird – je nach ihrem Sättigungszustand – vom Gehirn durch unterschiedliche neuronale Schaltkreise gesteuert. Ist die Fliege hungrig, benutzt sie andere Hirnzentren und kann so interne und äußere Signale abwägen und eine ausgewogene Entscheidung treffen.

Im Rahmen des ERC Starting Grants wollen Ilona Grunwald Kadow und ihr Team nun zeigen, welchen Einfluss Hunger, Verpaarung und Krankheit darauf haben, wie das Fliegenhirn Gerüche und Geschmäcker wahrnimmt und verarbeitet. Die Ergebnisse werden auch zum besseren Verständnis menschlicher Entscheidungsfindung beitragen, denn auch Menschen verhalten sich anders, wenn sie satt, hungrig, krank oder schwanger sind. Dieses situationsbedingte Verhalten kann entscheidend für das Überleben aber auch für die gesunde Entwicklung des Nachwuchses sein.

In der vergangenen Wettbewerbsrunde gingen insgesamt 3273 Starting Grant-Anträge beim European Research Council (ERC) ein. Von diesen bewilligte der ERC rund 10 Prozent: das Gesamtbudget von 485 Millionen Euro verteilt sich auf 328 Anträge aus 38 Nationen. In Deutschland wurden 70 Bewerber mit einen der begehrten Starting Grants ausgezeichnet. Gleich zwei der Preisträger stammen aus dem Max-Planck-Institut für Neurobiologie in Martinsried bei München: Neben Ilona Grunwald Kadow wurde auch Gurumoorthy Krishnamoorthy mit einem ERC Starting Grant ausgezeichnet.

DIE PREISTRÄGERIN:

Ilona Grunwald Kadow studierte Biologie an den Universitäten in Göttingen und San Diego, USA. Für ihre Doktorarbeit forschte sie am European Molecular Biology Laboratory (EMBL) in Heidelberg und dem Max-Planck-Institut für Neurobiologie in Martinsried. Im Anschluss ging sie für einen Forschungsaufenthalt an die University of California nach Los Angeles, USA. Seit Ende 2008 leitet Ilona Grunwald Kadow eine unabhängige Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut für Neurobiologie. Für ihre Forschung erhielt sie bereits mehrere Auszeichnungen und Stipendien.

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