Preis für herausragende Veröffentlichungen junger Wissenschaftler

Die Arbeiten von Tod Thiele und Katrin Vogt werden mit je 1000€ ausgezeichnet

13. März 2015
Tod Thiele und Katrin Vogt erhalten den Young Scientist Award 2015. Herwig Baier, Geschäftsführender Direktor des Instituts, überreichte die Urkunden.

Seit dem 17. Jahrhundert ist das Veröffentlichen von Forschungsergebnissen Teil der wissenschaftlichen Arbeit – denn nur veröffentlichte Ergebnisse gelten als allgemein anerkannt. Dies soll zum einen die gleichbleibend hohe Qualität der Arbeiten sichern, da Ergebnisse so von anderen überprüft werden können. Zum anderen steht hinter dem Aufruf zur Veröffentlichung der Grundgedanke, dass Wissenschaftler weltweit von den Ergebnissen erfahren und so auf diese aufbauen können.

Den hohen Stellenwert wissenschaftlicher Publikationen würdigt der „Young Scientist Award“, mit dem das Max-Planck-Institut für Neurobiologie jedes Jahr herausragende Publikationen junger Wissenschaftler würdigt. Zur Wahl stehen veröffentlichte Arbeiten des vergangenen Jahres.

Für das Jahr 2014 erhalten Dr. Katrin Vogt und Dr. Tod Thiele den mit jeweils 1.000 Euro dotierten Preis.

Die Preisträger und ihre ausgezeichneten Arbeiten

Katrin Vogt: Wie die Fruchtfliege Farben lernt
Fliegen erlernen Farben und Düfte über einen gemeinsamen neuronalen Schaltkreis

Zusammenhänge zu erkennen und sich zu merken ist wichtig. So kann zum Beispiel eine rote Beere giftig, ein roter Apfel jedoch essbar sein. Je genauer wir die spezifischen Zusammenhänge erlernen, desto besser sind wir für zukünftige Entscheidungen gewappnet. Wie und wo genau im Gehirn die verschiedenen Eigenschaften eines Objekts mit seinem "Wert" (z.B. essbar oder nicht) verknüpft werden, ist weitgehend unbekannt. Katrin Vogt und ihre Kollegen haben nun herausgefunden, dass die Fruchtfliege Drosophila Farben in der gleichen Gehirnregion, dem sogenannten Pilzkörper, wie Düfte erlernt und mit "Werten" verknüpft. So werden beim Lernen beider Reize auch dieselben Dopamin-Nervenzellen für die Weiterleitung von Bestrafungs- oder Belohnungssignalen zum Pilzkörper im Gehirn der Fliege verwendet. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Pilzkörper der Fliege ein Zentrum für multimodales Lernen sein kann, in dem verschiedenen sensorischen Eigenschaften eines Objekts, wie Duft und Farbe, ein angenehmer oder unangenehmer Wert zugeordnet werden kann. (eLife, August 2014)

Katrin Vogt studierte Biologie an der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg. 2008 kam sie für ihre Diplom- und anschließende Doktorarbeit an das Max-Planck-Institut für Neurobiologie nach Martinsried, wo sie in der unabhängigen Forschungsgruppe Verhaltensgenetik, unter der Leitung von Hiromu Tanimoto arbeitete. Nach Abschluss ihrer Doktorarbeit Ende 2014 arbeitet Katrin Vogt derzeit als Post-Doktorandin an der Tohoku Universität in Sendai, Japan.

Tod Thiele: Arbeitsteilung im Fischgehirn
Eine kleine Gruppe von Nervenzellen steuert die Schwimmbewegung

Damit ein Fisch vorwärts schwimmen kann, müssen Nervenzellen in seinem Gehirn und Rückenmark fein aufeinander abgestimmt die Hin-und-her-Bewegungen des Schwanzes kontrollieren. Doch auch die Stellung des Schwanzes, die wie ein Heckruder die Schwimmrichtung vorgibt, muss durch Hirnaktivität feinjustiert werden. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Neurobiologie in Martinsried bei München haben nun mit Hilfe der neuen Methode der Optogenetik eine kleine Gruppe von 15 Nervenzellen identifiziert, die die Bewegungen der Schwanzflosse lenken. Auch das menschliche Gehirn kontrolliert Körperbewegungen durch Nervenbahnen in der gleichen Gehirnregion und nutzt daher vermutlich ähnliche Verarbeitungsmechanismen wie der Fisch. (Neuron, Juli 2014)

Die vollständige Forschungsnachricht im Internet

Tod Thiele studierte Biologie am Hamilton College in Clinton, New York (USA) und schrieb seine Doktorarbeit an der University of Oregon in Eugene (USA). Im Anschluss kam er für seine Forschungsarbeiten in die Gruppe von Herwig Baier an die University of California in San Francisco (USA). Zusammen mit Herwig Baier und seiner Gruppe kam Tod Thiele 2012 an das Max-Planck-Institut für Neurobiologie nach Martinsried. Seit Januar 2015 arbeitet Tod Thiele als Assistant Professor an der University of Toronto in Scarborough (Kanada).

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