Neuroimmunologe Hartmut Wekerle erhält Jacob-Henle-Medaille

Auszeichnung für herausragende, medizinisch relevante wissenschaftliche Leistungen

2. Februar 2018

Hartmut Wekerle, Hertie-Seniorprofessor und Emeritus Direktor am Max-Planck-Institut für Neurobiologie erhält von der Medizinischen Fakultät der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) ihre höchste jährliche Auszeichnung verliehen: die Jacob-Henle-Medaille. Hartmut Wekerle erhält die Auszeichnung für sein Lebenswerk auf dem Gebiet der Neuroimmunologie. Die Forschungskommission der Medizinischen Fakultät Göttingen hatte auf Antrag von Alexander Flügel, Direktor des Instituts für Neuroimmunologie der UMG, die Verleihung der Jacob-Henle-Medaille 2018 einstimmig vorgeschlagen.

Hartmut Wekerle erhält die Jacob-Henle-Medaille der Medizinischen Fakultät Göttingen

Die feierliche Verleihung der Medaille fand statt am Freitag, dem 2. Februar 2018. Laudator war Alexander Flügel, Direktor des Instituts für Neuroimmunologie der UMG. Die Verbindung der Göttinger Auszeichnung zu Prof. Wekerle sieht Alexander Flügel schon dadurch gegeben, dass am Wissenschaftsstandort Göttingen sechs Max-Planck-Institute (MPI) verortet sind und an der UMG die Neuroimmunologie in Klinik, Diagnostik und Forschung starke Schwerpunkteinrichtungen hat, die eng mit den MPIs zusammenarbeiten. Wekerle sei zudem ein herausragender und mit über 340 veröffentlichten Arbeiten ausgewiesen aktiver Wissenschaftler.

Seinen Festvortrag hielt Hartmut Wekerle zum Thema „Immunologischer Selbst-Hass: Über die autoimmune Pathogenese der Multiplen Sklerose“. Das Thema „Selbst-Hass“ beschäftigt sich mit der Grundfrage: „Wie ist es möglich, dass winzige Zellen das Gehirn attackieren können, um dort Entzündungen auszulösen?“ Multiple Sklerose (MS) befällt hauptsächlich junge Menschen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren, ist eine lebenslange Erkrankung und führt zu Behinderungen.

Die wissenschaftlichen Arbeiten von Hartmut Wekerle konzentrieren sich auf die Erforschung der MS. Allein in Deutschland sind zirka 120.000 Menschen von dieser Krankheit betroffen, bei der sich fehlgeleitete Zellen des Immunsystems gegen das eigene Nervensystem richten. Einmal in das Gehirn und Rückenmark eingedrungen, schädigen die Immunzellen Nervenzellen und können, je nach Angriffsort, Lähmungen, Empfindungsstörungen oder Sehstörungen auslösen.

Henle-Medaille verliehen: (v.l.): Prof. Dr. Wolfgang Brück (Dekan für Struktur und Entwicklung der UMG), Preisträger Prof. Dr. Drs. h.c. Hartmut Wekerle (Hertie-Seniorprofessor, Max-Planck-Institut für Neurobiologie, Martinsried), Laudator Prof. Dr. Alexander Flügel (Direktor Institut für Neuroimmunologie der UMG).

Mit modernsten Methoden gelang Hartmut Wekerle und seinen Mitarbeitern eine Reihe von bahnbrechenden Erkenntnissen. So entdeckten sie zum Beispiel neue Angriffspunkte der Immunzellen, wie Immunzellen in das Nervengewebe eindringen, oder dass entzündliche Hirnerkrankungen möglicherweise ihren Beginn im Darmbereich nehmen.

DER PREISTRÄGER DER JACOB-HENLE-MEDAILLE

Prof. Dr. Drs. h.c. Hartmut Wekerle gilt als Begründer der experimentellen Neuro-immunologie in Deutschland. Er hat wesentliche wissenschaftliche Grundlagen ge-schaffen, ohne die die Neuroimmunologie nicht ihre Bedeutung in der weltweiten Forschungslandschaft gewonnen hätte. Hartmut Wekerle konnte erstmals aufzeigen, welche Immunzellen eine Autoimmunerkrankung des Zentralnervensystems auslösen können. Zusammen mit Kollegen aus Israel generierte Weckerle ein Tiermodell der Multiplen Sklerose, das heutzutage weltweit als Standard verwendet wird und auch für die Entwicklung von Therapien entscheidende Impulse gegeben hat. Auf Hartmut Wekerles Forschungen und Aktivitäten ist es letztlich zurückzuführen, dass die Neuroimmunologie innerhalb der Neurologie eines der aktivsten Felder mit Blick auf Forschung und therapeutischen Fortschritt darstellt.

Zudem würdigt der Preis auch Wekerles außerordentliches Engagement zur Förderung des internationalen Austausches und der Wissenschaft im Allgemeinen. So war er einer der ersten, die zur Belebung der deutsch-israelischen Beziehungen als jun-ger Wissenschaftler einen Forschungsaustausch in Israel absolvierte. Hartmut Wekerle hat in seinem Labor zahlreiche Schülerinnen und Schüler ausgebildet und geprägt, die seine Begeisterung und Engagement für die Wissenschaft und klinische Betreuung im Gebiet der Neuroimmunologie weitertragen.

Hartmut Wekerle wurde 1944 in Waldshut geboren. Er studierte Medizin an der Universität Freiburg, dort wurde er 1971 promoviert. Anschließend arbeitete er am Weizmann Institute of Science in Rehovot, Israel. Ab 1973 forschte Hartmut Wekerle als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg. 1977 habilitierte er sich an der Universität Freiburg und wurde 1980 dort zum Professor für Immunologie berufen. Im Jahr 1982 übernahm Hartmut Wekerle die Leitung einer klinischen Forschungsgruppe für Multiple Sklerose der Max-Planck-Gesellschaft in Würzburg. Von 1988 bis 2012 war er Direktor am Max-Planck-Institut für Neurobiologie in Martinsried.

Für seine wissenschaftlichen Verdienste wurde Hartmut Wekerle mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter mit dem Ernst Jung-Preis für Wissenschaft und Forschung, dem Foundation Louis D-Preis – der höchsten wissenschaftlichen Aus-zeichnung Frankreichs, und dem Reinhard Koselleck-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Im Juni 2011 erhielt er als erster außeruniversitärer Professor die Hertie-Senior-Forschungsprofessur Neurowissenschaften. Diese Forschungsprofessur ermöglichte es Hartmut Wekerle, seine Arbeit nach seiner Emeritierung im Jahr 2012 fortzusetzen.

Der Text basiert auf einer Pressemitteilung der umg vom 02. Februar 2018

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