Ruf in den Rat der neurobiologischen Weisen

Erneut ein Max-Planck-Forscher als Wissenschaftliches Mitglied des hochrenommierten internationalen "Neurosciences Research Program" berufen

28. April 2003

Prof. Dr. Tobias Bonhoeffer, Direktor am Martinsrieder Max-Planck-Institut für Neurobiologie, wurde jetzt in den Kreis der Wissenschaftlichen Mitglieder des renommierten amerikanischen "Neurosciences Research Program (NRP)" gewählt. Er gehört damit zu einem Kreis der international am höchsten renommierten Neurowissenschaftler. Nur jeweils 36 Wissenschaftler haben gleichzeitig für die Dauer von sieben Jahren die Ehre, Mitglied in dieser neurowissenschaftlichen Akademie mit Sitz am Neuroscience Institute in La Jolla/USA zu sein.

Tobias Bonhoeffer

"Die Wahl zum Mitglied in diesem Gremium bedeutet für mich eine sehr hohe Auszeichnung", so Bonhoeffer, als er das Ernennungsschreiben von Nobelpreisträger Edelman voller Freude entgegen nahm. Tobias Bonhoeffer ist seit 1998 Direktor der Abteilung Zelluläre und Systemneurobiologie am Max-Planck-Institut für Neurobiologie in Martinsried bei München. Seine Forschungsgebiete sind die Erforschung der Grundlagen zur Weiterleitung und Verarbeitung von Informationen im Gehirn auf molekularer, zellulären und systemischer Ebene. Gemeinsam mit seinen Kollegen gelang Bonhoeffer 1999 weltweit als erstem Neurowissenschaftler der Nachweis, dass sich Nervenzellen bei der Verstärkung ihrer wechselseitigen Kontakte (Langzeitpotenzierung von Reizen) mikroskopisch verändern - ein Prozess, der als eine Voraussetzung für die Funktion von Gedächtnis und Erinnerung angesehen wird (vgl. News 21/1999 - "Do Neurons Learn by Growing Thorns? Emergence of Dendritic Spines is Associated with Long-Term Synaptic Plasticity"). Diese Entdeckung war der erste bahnbrechende Beweis von morphologischen Veränderungen der Nervenzellen im Zusammenhang mit Gedächtnis und Erinnerung.

Nur zehn Mitglieder des NRP "Associates" arbeiten nicht in den U.S.A. Aus Deutschland sind dies Prof. Nikos K. Logothetis, Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen und Randolf Menzel, Freie Universität Berlin. Die Mitglieder Neurosciences Research Program haben die Möglichkeit, die Ressourcen des Neurosciences Institute in La Jolla für ihre Forschungstätigkeit und Konferenzen zu nutzen. Als hochrangige Wissenschaftler können sie zugleich Einfluss auf die Entwicklung und Forschungsschwerpunkte dieses Instituts nehmen, das in einzigartiger Weise durch private Spenden gefördert wird. Die 36 aktiven Mitglieder des Neuroscience Research Program treffen sich jedes Jahr zu einer mehrtägigen Konferenz und bestimmen dann auch jeweils fünf neue Mitglieder ihres Kreises. Nach einer siebenjährigen Amtsperiode bleiben die Mitglieder dem Neuroscience Institute und dem Neuroscience Research Program als Ehrenmitglieder ("Honorary Associate") verbunden. Ehemalige aktive Mitglieder und jetzige Honorary Associates aus Max-Planck-Instituten sind Leo C.M. De Maeyer und Manfred Eigen, beide Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, Göttingen; Detlev Ploog, Max-Planck-Institut für Psychiatrie, München; Bert Sakmann, Max-Planck-Institut für medizinische Forschung, Heidelberg; Wolf Singer, Max-Planck-Institut für Hirnforschung, Frankfurt/M. sowie Hans Thoenen, Max-Planck-Institut für Neurobiologie.

Das Gremium der Weisen der Neurowissenschaften wurde 1962 von F.O. Schmitt mit dem Ziel gegründet, hervorragende Hirnforscher in regelmäßigen Meetings zusammen zu bringen, um die aktuelle Hirnforschung interdisziplinär voranzubringen. Heimat des Neuroscience Research Program ist das Neuroscience Institute, das 1981 vom Nobelpreisträger Gerald M. Edelman auf dem Gelände des Scripps Institute in La Jolla gegründet wurde und unter ihrem Dach die verschiedensten wissenschaftlichen Disziplinen vereint, um die Komplexität des Gehirns zu erforschen. Das Neuroscience Research Program wird durch die Neurosciences Research Foundation unterstützt, einer gemeinnützigen Forschungs- und Ausbildungsorganisation. Die 30 Mitglieder des Stiftungsrats sind renommierte Vertreter von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik aus ganz Nordamerika.

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