Georg W. Kreutzberg, 1932 - 2019

Prof. Dr. Dr. h.c. Georg Kreutzberg, herausragender Neuropathologe und geschätzter Kollege, verstarb am 20. März nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 86 Jahren.

25. März 2019

Das zentrale Nervensystem ist ein hoch komplexes System in dem Krankheiten oder Verletzungen meist gravierende Folgen haben. Georg Kreutzberg trug mit seiner Forschung maßgeblich zu unserem heutigen Verständnis der Reparatur- und Regenerationsmechanismen des Gehirns nach solchen Schäden bei. Bereits in frühen Studien konnte er zeigen, dass ein Schaden an Nervenzellen mit einer Vermehrung sogenannter Mikrogliazellen einhergeht. Der Erforschung dieser Abwehrzellen des Hirngewebes und ihrer Rolle bei Nervenverletzungen widmete Georg Kreutzberg seine Arbeit.

Georg W. Kreutzberg

Georg Kreutzberg kam im Jahr 1978 an das Theoretische Teilinstitut des Max-Planck-Instituts (MPI) für Psychiatrie, dem heutigen MPI für Neurobiologie. Hier leitete er die Abteilung "Neuromorphologie" und lenkte als Geschäftsführender Direktor auch viele Jahre die Geschicke des Instituts.

Zusammen mit seinem Team konnte Georg Kreutzberg zeigen, dass die an eine Verletzungsstelle rekrutierten Mikrogliazellen zu einer Entkoppelung der Synapsen der geschädigten Nervenzellen führten. Zudem brachten seine Studien die Aufgabe der Mikrogliazellen bei der Überwachung des Hirngewebes ans Licht: Nehmen die Zellen eine pathologische Veränderung in ihrer Umgebung wahr, regen sie die Produktion einer Reihe von Substanzen an. Diese Substanzen und angestoßenen Vorgänge tragen in ihrem Verlauf entscheidend zum Regenerationsprogramm der Nervenzellen bei.

Die Ergebnisse dieser Studien machten Georg Kreutzberg international bekannt. Seine Entdeckung der blockierenden Wirkung von Colchicin auf den axonalen und dendritischen Transport in Nervenzellen und Erkenntnisse zum Aktivierungskonzept der Mikrogliazellen zeigten neue Wege auf, die zu einem besseren Verständnis vieler Hirnkrankheiten führten.

Georg Kreutzbergs Engagement ging jedoch auch weit über seine eigene Forschung hinaus. So setzte er sich intensiv für den aktiven Austausch zwischen Journalisten und Wissenschaftlern ein und gründete unter anderem die Europäische Initiative für Wissenschaftskommunikation (EICOS). Darüber hinaus machte sich Georg Kreutzberg auch für ein ethisches Verhalten in der Forschung stark. So war er aktiv an der Ausarbeitung allgemeinverbindlicher Richtlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis beteiligt.

Georg Kreutzbergs Leidenschaft für einen aktiven Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft ließ auch nach seiner Emeritierung nicht nach. Noch bis vor kurzem war er in der ganzen Republik im Rahmen von Vorträgen zu diesen Themen als Berater und in Ehrenämtern unterwegs.

Wir werden Georg Kreutzberg als leidenschaftlichen Wissenschaftler in Erinnerung behalten und danken ihm für sein großes Engagement für unser Institut und seinen Einsatz für den Stellenwert der naturwissenschaftlichen Forschung in der Gesellschaft.

Georg W. Kreutzberg wurde am 2. September 1932 in Ahrweiler in Rheinland-Pfalz geboren. Er studierte Medizin und Psychologie an den Universitäten in Bonn, Freiburg und Wien. Er promovierte in Freiburg und habilitierte sich 1971 in Neuropathologie an der Technischen Universität München. Als Postdoktorand arbeitete er am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge (USA). Als Gastwissenschaftler wirkte er an der Rockefeller University in New York City und am Hirnforschungsinstitut der Universität Zürich. Im Jahr 1978 wurde Georg Kreutzberg zum wissenschaftlichen Mitglied und Direktor am Theoretischen Teilinstitut des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München berufen. Das Teilinstitut, das 1984 auf den Campus Martinsried zog, wurde 1998 zum selbständigen Max-Planck-Institut für Neurobiologie. Hier leitete er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2000 die Abteilung Neuromorphologie.

Seine Arbeiten wurden durch eine Vielzahl wissenschaftlicher Preise gewürdigt. 1991 erhielt Georg Kreutzberg die Ehrendoktorwürde der Universität Szeged, Ungarn, und im Jahr 2007 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz I. Klasse ausgezeichnet.

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